Führung bleibt. Die Fragen sind andere.


Eine meiner Kund:innen ist Bereichsleiterin in einem mittelständischen Unternehmen.

Seit ein paar Wochen laufen in ihrer Abteilung KI-Agenten. Mit einem DSGVO-konformen Anbieter, wie sie stolz erzählt.

Nach einem längeren Auswahlprozess hatte sich die Geschäftsführung dazu entschieden und die Bereichsleiter:innen entsprechend informiert. Allerdings nur, dass es erlaubt ist und dass die IT bei der Einrichtung hilft.

In ihrem KI-Coaching bei mir erzählte sie, dass sie allerdings gar nicht so recht wisse, wofür sie KI-Agenten überhaupt nutzen solle.

Und dann kam etwas zögerlicher: "Und ehrlich gesagt, weiß ich immer noch nicht so richtig, was KI-Agenten so wirklich sind."

Da in meine Coachings immer eine Frage zentral ist, formulierte sie den Kern ihres Problem so: „Wie soll ich jetzt entscheiden, wie es weitergeht?”

Ein KI-Agent antwortet nicht. Er handelt.

Bevor ich auf ihre Frage eingegangen bin, hab ich erst einmal erklärt, womit wir es bei KI-Agenten zu tun haben.

ChatGPT antwortet. Das kennen die meisten.

Ein KI-Agent ist etwas anderes. Er bekommt eine Aufgabe, zerlegt sie selbst in Schritte, führt diese Schritte eigenständig aus und liefert ein Ergebnis. Ohne dass jemand zwischendurch eingreift. Er recherchiert, priorisiert, schreibt. Und schickt ab, ohne zu fragen.

Das klingt wie Delegation, wie wir sie als Führungskräfte auch aus unserer bisherigen Arbeit kennen.

Ja, auch bei KI-Agenten ist es Delegation. Nur an jemanden, der nicht nachfragt, wenn etwas unklar ist.

Und genau da steckt die eigentliche Frage meiner Kundin. Sie hat gefragt, wie es weitergeht. Gemeint hat sie: "Was ist jetzt eigentlich (noch) meine Aufgabe?"

Wer den Auftrag falsch stellt, bekommt das falsche Ergebnis.

Ich treffe als Geschäftsführerin seit 15 Jahren Entscheidungen, die ich delegiert habe und andere dann vorbereitet und/oder umgesetzt haben.

Was ich in dieser Zeit gelernt habe: Die Qualität eines Ergebnisses hängt fast immer an der Qualität des Auftrags. Wer schlecht brieft, bekommt eine schlechte Aufgabenerledigung.

Das gilt auch für KI-Agenten.

Der Unterschied zu einem menschlichen Mitarbeiter ist: Ein Agent fragt nicht nach, wenn etwas unklar ist. Er interpretiert. Und wenn die Interpretation falsch war, weil der Auftrag unscharf war, merkt das oft niemand, bis das Ergebnis schon draußen ist.

Die Führungsaufgabe hat sich deshalb verschoben.

Sie beginnt noch früher als bisher: beim Auftrag selbst. Nämlich bei der Frage, welche Aufgabe ich menschlichen Mitarbeitenden und welche den KI-Mitarbeitenden gebe.

Das kann kann ich aus meiner Erfahrung empfehlen.

Was ich meiner Kundin geraten habe, wie sie weitermachen kann:

1. Aufschreiben, was Menschen besser können und was KI besser kann.

Setzen Sie sich hin und schreiben Sie auf, welche Aufgaben in Ihrem Bereich anfallen. Dann eine einzige Frage für jede: Was würde schiefgehen, wenn kein Mensch dabei wäre?

Wo Sie zögern, ist menschliches Urteil im Spiel. Es geht dann um Beziehung und Kontext. Das, was Sie nach Jahren wissen und nicht mehr erklären können. Das bleibt bei Ihnen.

Wo Sie nicht zögern: Berichte, Protokolle, Rechercheaufgaben, Zusammenfassungen, Standardkommunikation. Alles, was vor allem Zeit kostet und kein Urteil braucht. Das sind die Kandidaten für KI-Agenten.

2. Für die KI-Aufgaben die Use Cases mit Arbeitsschritten mappen.

Nehmen Sie eine dieser Aufgaben und schreiben Sie auf, wie sie wirklich abläuft. Was kommt rein? Was soll rauskommen? Wie sieht gut genug aus, konkret? Wo kann es schiefgehen?

Das nennt sich Use-Case-Mapping und klingt nach IT. Es ist aber Führungsarbeit.

Ein Beispiel: Wenn der Agent Besprechungsprotokolle schreiben soll, reicht „schreib ein Protokoll” nicht. Er braucht: Was ist der Input? Wie lang darf das Ergebnis sein? Was muss immer drinstehen, was auf keinen Fall? Wer das nicht beantworten kann, kann keinen Agenten sinnvoll einsetzen. Wer es beantworten kann, hat das Wichtigste schon getan.

Danach kann jemand aus der IT oder ein externer Dienstleister den KI-Agenten aufsetzen. Aber das Briefing: das ist Ihre Arbeit.

3. Dem Team vermitteln, wie es die Ergebnisse bewertet.

Besprechen Sie mit Ihrem Team, was es mit den Ergebnissen anfangen soll. Bevor der Agent läuft, nicht danach.

Was ist gut genug, um es weiterzugeben? Was muss nochmal jemand anschauen? Was darf auf keinen Fall ungeprüft raus?

Ich stelle immer eine Frage: Wären Sie damit zufrieden, wenn Ihr Name draufsteht? Wenn nicht: zurück.

Wer dieses Gespräch weglässt, merkt die Fehler meist erst, wenn es schon zu spät ist.

4. Regelmäßige Feedback-Runden einplanen.

Dreißig Minuten, alle zwei Wochen, reichen. Was funktioniert? Was nicht? Was hat uns überrascht?

Das klingt wie ein optionales Extra. Es ist aber das Wichtigste.

Es gibt noch keine Erfahrungswerte, wie das mit KI-Agenten und dem "Führen von Mensch und Maschine" gut geht.

Es gibt noch kein Handbuch und kein Framework, das Ihnen sagen kann, wie es in Ihrem Bereich funktioniert. Nicht mal, wie es allgemein funktioniert.

Diese Gespräche sind deshalb der Ort, an dem Ihr Team das Wissen aufbauen kann, das noch niemand hat.

Am Ende der Coaching-Sitzung hat meine Kundin gesagt: „Ich dachte, ich bin zu spät.”

Ich hab ihr gesagt:

"Das denken gerade viele. Aber das ist nicht so. Dass Sie sich bereits jetzt damit beschäftigen, zeigt, dass Sie vielen voraus sind.

Und allen KI-Experten (z.B. auf LinkedIn), die Ihnen weiß machen wollen, dass sie schon hunderte KI-Agenten aufgesetzt haben, würde ich eher nicht glauben.

Wer so tut, als ob er das total im Griff hat, versucht im Zweifel nur, Ihnen etwas zu verkaufen."

P.S. Wenn Sie jemanden kennen, der gerade KI-Agenten in seiner Abteilung einführt und noch nicht weiß, wie er das als Führungskraft begleiten soll: Das hier könnte ein guter Einstieg sein.

P.P.S Alle bisherigen KI-Briefings finden Sie hier: https://ki-briefing.kit.com


KI-Agenten verstehen und nutzen

Eine kompakte Einführung zu den Grundlagen und konkreten Nutzungsmöglichkeiten von KI-Agenten



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