Wir saßen draußen auf ihrer Terrasse beim einem Glas Wein. Es war einer dieser schönen Abende im Mai, wo es schon herrlich warm ist.
Meine Freundin, erfahrene Führungskraft in einem mittelgroßen Beratungsunternehmen, schenkte nach und fragte dann:
„Du kennst dich ja aus. Ich hab da mal eine Frage: Wir haben inzwischen ChatGPT Enterprise und LangDock. Soweit, so gut.
Neulich fragte mich aber ein neuer Mitarbeiter: Welche Regeln gelten bei Euch für die Eingabe von Daten?
Da war ich kurz irritiert. Keine Ahnung, dachte ich. Und hab ihn erstmal auf später vertröstet.
Jetzt muss ich aber bald irgendeine Antwort geben. Das ist mir echt unangenehm. Was würdest Du mir empfehlen?"
Jemand hat KI eingeführt. Die Spielregeln hat er nicht mitgeliefert.
Bevor ich ihr meine Empfehlungen (wie unten beschrieben) gegeben habe, habe ich ihr allerdings versichert, dass sie mit diesem Problem mitnichten allein ist.
So läuft es gerade in vielen Organisationen. Vielleicht kennen Sie das auch.
Die Leitung entscheidet, dass dieses oder jene KI-Tool gekauft wird. Die IT richtet es ein.
Und dann?
Dann arbeiten die Teams mit den Tools, die sie haben, welchen auch immer. Manche machen das intensiver, manche weniger.
Was ich aber in meinen Projekte immer wieder sehe: Es gibt sehr selten klar definierte, schriftliche Regeln, was genau mit diesen Tools gemacht werden darf.
Zum Beispiel:
- Welche Daten dürfen überhaupt eingegeben werden?
- Ist egal, wo die Daten herstammen?
- Wie soll mit personenbezogenen Daten umgegangen werden?
- Wer entscheidet bei unklaren Fällen?
Diese Fragen haben die Mitarbeitenden und fragen dann ihre Führungskraft. Wie meine Freundin.
Das Problem: Die Führungskraft weiß es auch nicht. Wie meine Freundin.
Das ist aber natürlich kein persönliches Versagen. Das ist vielmehr eine Lücke, die fast überall besteht.
Was ein Team braucht, ist indes keine perfekte Datenschutzrichtlinie. Es braucht vor allem eine Arbeitsgrundlage. Und jemanden, der sagt: Wir klären das gemeinsam.
Was ich meiner Freundin geraten habe und was ich Ihnen rate.
Meiner Freundin habe ich die folgenden Tipps gegeben und gebe Sie gern auch Ihnen:
1. Fragen Sie einmal schriftlich nach oben.
Nicht als Eskalation, sondern als Informationsbedarf. Eine kurze Mail reicht:
„Wir nutzen in meinem Bereich ChatGPT und LangDock. Gibt es eine Leitlinie, welche Daten wir eingeben dürfen und welche nicht? Falls ja, bitte ich um Weitergabe. Falls noch nicht: Ich würde das für meinen Bereich gern klären."
Damit haben Sie Ihren Teil getan.
2. Schreiben Sie parallel Ihrer:m Datenschutzbeauftragten.
Konkrete Fragen: Welche Datenkategorien dürfen in externe KI-Tools? Was gilt für ChatGPT, was für LangDock?
Eine Antwort kommt, vielleicht nur nicht so schnell wie nötig. Dann müssen Sie sich erstmal eigenständig orientieren.
3. Schauen Sie selbst in die Nutzungsbedingungen.
ChatGPT und LangDock veröffentlichen ihre Datenschutzinformationen. Sie sind lesbar, auch ohne juristisches Vorwissen. Wonach Sie suchen sollten: Werden meine Eingaben für das Training genutzt? Wo werden sie gespeichert? Gibt es Unternehmensversionen mit anderen Regeln?
Das ist vielleicht nicht viel, aber es gibt Ihnen genug, um anzufangen, auch bevor die Datenschutzbeauftragte antwortet.
4. Reden Sie mit Ihrem Team.
Sagen Sie genau das, was meine Freundin ihrem Mitarbeiter nicht gesagt hat, aber hätte sagen können:
„Ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht. Ich kläre das gerade. Bis dahin machen wir das so."
Und dann schreiben Sie erstmal Ihre eigenen Regeln:
- Was kommt nicht rein, z.B. Namen von Kund:innen, interne Zahlen, personenbezogene Daten.
- Was ist unbedenklich, z.B. allgemeine Textentwürfe, Recherchen, Zusammenfassungen ohne Personenbezug.
Es reicht eine Seite. Mag sie auch vorläufig sein, so haben Sie doch erstmal etwas, womit sie arbeiten können.
Denn, was Ihr Team braucht, ist ja keine perfekte Datenschutzrichtlinie. Es braucht nur eine Arbeitsgrundlage und Sie als Führungskraft, die sagt: Wir klären das gemeinsam.
Drei Wochen später sah ich die Freundin wieder. Bevor ich fragen konnte, sagte sie: "Erledigt." Und wir gingen zum nächsten Thema über.
In diesem Sinne wünsche ich ein weiterhin neugierig-gelassenes Führen mit KI.
P.S. Kennen Sie jemanden, der das gerade auch durchmacht? Leiten Sie diese Mail weiter.
P.P.S Alle bisherigen KI-Briefings finden Sie hier: https://ki-briefing.kit.com
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Leitfaden "KI einfach erklärt"
Ein Leitfaden für alle, die das Thema Künstliche Intelligenz schnell und im Überblick verstehen wollen
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The AI Leader
Ein persönlicher Denk- und Entscheidungsraum, um Künstliche Intelligenz einzuordnen, Verantwortung zu klären und sicher zu entscheiden. Keine Schulung, keine Tools, keine Umsetzung, sondern Orientierung auf Entscheiderebene.
The AI Organization
Ein klarer Verantwortungsrahmen für den strategischen Umgang mit KI. Für Organisationen, in denen KI bereits Thema ist, aber ohne klare Linie.
Wenn Sie einen Themenwunsch für das KI-Briefing haben – schreiben Sie mir gern: ki-briefing@digital-leader.eu
Hinweis: Dieser Beitrag ist in enger Zusammenarbeit mit KI geschrieben worden und persönlich von Dr. Beate Freuding, Geschäftsführerin von The Digital Leader, kuratiert. Der Beitrag dient der allgemeinen Information und Orientierung. Er stellt keine Rechtsberatung dar und kann eine individuelle juristische Prüfung im Einzelfall nicht ersetzen. Für Entscheidungen, die auf Basis dieses Beitrags getroffen werden, übernimmt die Autorin keine Haftung.