Chefsache? Immer.


Letzte Woche hatte ich einen Videocall mit einem Geschäftsführer, den ich schon länger kenne.

Wir kamen dabei auch auf die Frage zu sprechen, was er denn als Geschäftsführer tun solle, damit Künstliche Intelligenz bei ihm im Unternehmen wirklich gewinnbringend eingesetzt wird.

Ich habe ihm dann die Folie gezeigt, die ich zu dieser Frage in meinen KI-Beratungen immer zeige.

Die linke Spalte der Folie zeigt das typische Muster, wie es in vielen Unternehmen zu sehen ist:

  • Die Führungsebene delegiert KI jeweils an die Fachabteilungen.
  • Die IT führt ein KI-Tool ein.
  • Das Qualitätsmanagement startet eine ISO-Initiative.
  • Compliance prüft den EU AI Act.
  • HR organisiert die erforderlichen KI-Schulungen.

Er nickte bei jedem Aufzählungspunkt. „Ja, das kenne ich. Ist bei uns genau so.”

In der rechten Spalte der Folie steht, was dann normalerweise passiert:

  • Die IT bleibt bei der Einführung der KI-Tools stecken.
  • Aus der ISO-Initiative wird ein reines Zertifizierungsprojekt.
  • Es gibt Governance-Dokumente, an die sich kaum jemand wirklich hält.
  • Und am Ende hat die Führungsebene keinen Überblick mehr.

“Tja”, sagte der Geschäftsführer, „leider erkenne ich uns auch dabei wieder.”

Vier Abteilungen, vier richtige Entscheidungen.

Dabei haben die vier Abteilungen ihren Job gemacht. Und zwar richtig gut, jede für sich:

  • Die IT hat ein KI-Tool eingeführt, weil das ihr Job ist.
  • Das Qualitätsmanagement hat die ISO-Initiative gestartet, weil Zertifizierung in ihr Mandat fällt.
  • Compliance hat den EU AI Act geprüft, weil das nun mal ihre Aufgabe ist.
  • Und HR hat Schulungen organisiert, weil Kompetenzaufbau zu ihrem Bereich gehört.

Jede einzelne Entscheidung für sich war also vollkommen richtig.

Das Problem aber liegt woanders: All diese Aktivitäten sind nicht im Zusammenhang gedacht worden. Das steht in keiner der Stellenbeschreibungen der Fachabteilungen. Daher hat sich das auch niemand explizit vorgenommen.

Eigentlich Chefsache. Nur weiß das noch keiner.

Der entscheidende Punkt ist: Das Zusammenführen fehlt komplett. Und das ist eigentlich Aufgabe der Geschäftsleitung, nicht ausdrücklich für KI, aber im Grundsatz gilt das natürlich immer.

Wenn die Geschäftsleitung KI nicht zur Chefsache macht, bleiben all die Themen auf der Sachebene hängen.

Und genau da liegt das Problem: KI ist kein Tool, das man mal eben einführt. Es ist eher vergleichbar mit der Einführung von Strom oder Internet.

Künstliche Intelligenz ist ein massiver Umbruch, der alles verändert und auch noch weiter verändern wird. Alles: Entscheidungswege, Geschäftsmodelle, Verantwortlichkeiten und so vieles, an das wir heute noch gar nicht denken.

Zurück zum Geschäftsführer aus meinem Videocall.

Ich habe ihn gefragt: „Was würden Sie machen, wenn Sie sehen würden, dass bei Ihnen vier Abteilungen völlig unabhängig voneinander an KI arbeiten, ohne dass es irgendwer zusammenführt?”

Er hat kurz nachgedacht. Dann gesagt: „Ich würde alle Abteilungen zu mir bitten und das Thema grundsätzlich diskutieren.”

Und gleich hinterher: „Nein, nicht: ich würde. Ich werde. Gleich morgen.”

Wenn Sie das Muster von der Folie so auch für Ihr Unternehmen erkennen, sollten Sie diese Frage am besten auch Ihrer Geschäftsleitung stellen.

Und manchmal reicht genau so eine Frage, damit KI aus der Sachebene aufsteigt und zu einer Führungsfrage wird.

Denn: KI ist kein IT-Projekt. KI ist Chefsache.

P.S. Wenn Sie jemanden kennen, dem das beschriebene Muster aus der Folie auch bekannt vorkommt: Leiten Sie diese Ausgabe gern weiter.

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