Diesmal war es still.


Letzte Woche saß ich einem Geschäftsführer gegenüber, den ich schon eine Weile kenne.

Er sagte: „Wir sind beim Thema KI eigentlich schon ganz gut unterwegs.”

Ich fragte: „Was heißt das konkret?”

Die Antwort kam schnell.

ChatGPT in den Teams, ein spezielles Tool im Marketing, Copilot in der IT.

Ich hab genickt. Und innerlich gedacht: Das ist keine KI-Nutzung.

Das sind ein paar Leute, die ein neues Werkzeug ausprobieren, allerdings ohne dass jemand entschieden hat, wozu.

Dann habe ich eine zweite Frage gestellt: „Und wer entscheidet bei Ihnen, was davon bleiben soll und was nicht?”

Diesmal war es still.

Ich hab dann nicht viel gesagt.

Irgendwas wie „Das wäre vielleicht gut zu klären.”

Er hat genickt. Ich auch. Und dann haben wir über etwas anderes geredet.

Ich kenne dieses Gespräch nicht einmal. Ich kenne es vielleicht zwanzigmal.

„Wir nutzen KI” bedeutet meistens: Wir haben ChatGPT.

Der Unterschied ist derselbe wie zwischen „Wir haben LinkedIn” und „Wir haben eine Vertriebsstrategie.”

Das eine ist ein Werkzeug.

Das andere ist eine Entscheidung - für wen, wofür, mit welchem Ziel.

Und genau diese Entscheidung fehlt in fast allen Unternehmen, die ich kenne.

Nicht weil niemand daran denken will, sondern weil es lief.

Weil niemand mit einem Problem ankam. Weil andere Dinge dringlicher waren.

Manche Mitarbeitenden nutzen KI täglich für Textentwürfe, Zusammenfassungen, Recherchen.

Manche haben es ausprobiert und wieder aufgehört.

Manche geben Kundendaten in Tools ein, ohne zu wissen, wo die landen.

Niemand hat Nein gesagt.

Niemand hat Ja gesagt.

Es lief einfach.

Das ist aber natürlich kein Vorwurf an die Mitarbeitenden. Sie tun, was sie für sinnvoll halten, um ihre Arbeit bestmöglich zu machen.

Die Frage ist, wer dieses Thema führt.

Das ist Ihr Thema, auch wenn Sie kein:e Geschäftsführer:in sind.

Vielleicht denken Sie: Strategie, Governance, das große Bild - das liegt bei der Geschäftsführung.

Stimmt. Und stimmt nicht.

Denn in Ihrem Bereich läuft es gerade genauso.

Ihre Mitarbeitenden nutzen KI-Tools. Manche tun das offen, manche nicht.

Manche sinnvoll, manche auf eine Art, die Sie nicht kennen und vielleicht nicht wollen würden, wenn Sie es wüssten.

Die Frage, wer das verantwortet, wartet nicht auf eine Unternehmensstrategie.

Sie stellt sich jetzt. In Ihrem Bereich. Mit Ihren Leuten.

Das ist aber keine schlechte Nachricht. Es ist eine, die Sie nutzen können.

Was Sie diese Woche konkret tun können - vier Schritte für Ihren Bereich.

1. Kartieren, nicht kontrollieren.

Fragen Sie in Ihrer nächsten Teambesprechung: „Ich bin neugierig. Mit welchen KI-Tools arbeitet ihr gerade? Was hilft euch?”

Es soll kein Audit sein. Es hat keine Agenda. Es ist nur ein Zuhören.

Sie werden überrascht sein, was dabei rauskommt.

2. Drei Fragen an sich selbst.

Stellen Sie sich anschließend drei Fragen:

  • Was von dem, was Sie erfahren haben, ist nützlich? Für wen? Wofür?
  • Was davon berührt Daten, die nicht in ein Cloud-Tool gehören?
  • Was läuft, ohne dass jemand es beschlossen hat?

Die letzte Frage ist die wichtigste.

Nicht weil eine Spontan-Nutzung falsch ist, sondern weil sie Ihnen zeigt, wo Verantwortung fehlt.

3. Eine Entscheidung, die Sie selbst treffen können.

Natürlich müssen Sie darauf aufbauend keine KI-Strategie schreiben.

Aber Sie können für Ihren Bereich sagen: Das fördern wir. Das lassen wir vorerst. Das klären wir erstmal.

Ein Satz zur Klärung reicht reicht meist schon.

Zum Beispiel: „Für Textentwürfe und Zusammenfassungen könnte Ihr die Tools frei nutzen. Für alles, was Kundendaten enthält oder andere sensible Bereiche betrifft, bitte erst Rücksprache mit mir.”

Das ist Führen mit KI und im Grunde auch nicht so viel anders als bei anderen Sachen. Bei KI fühlt es sich nur so neu an.

4. Wann Sie nach oben gehen.

Aber natürlich gibt es auch Themen und Tools, über die Sie nicht allein entscheiden können:

  • Wenn ein Tool sensible Daten berührt.
  • Wenn Sie etwas sehen, das andere Bereiche betrifft.
  • Wenn Sie merken, dass niemand das koordiniert.

Dann gehen Sie am besten zu Ihrem bzw. Ihrer Vorgesetzten und schildern Ihre Beobachtung:

„Ich habe in meinem Bereich nach der aktuellen KI-Tool Nutzung gefragt. Das ist, was ich gesehen habe. Das habe ich bereits entschieden und das würde ich gerne mit Ihnen klären.”

Auf der Rückfahrt habe ich nicht mehr an den Geschäftsführer gedacht.

Sondern an die zweite Frage. Die, bei der es still wurde: „Und wer entscheidet bei Ihnen, was davon bleiben soll und was nicht?”

Ich glaube, dass diese Frage mehr verändert als jede KI-Strategie.

P.S. Wenn Sie jemanden kennen, der diese Frage in seinem Bereich noch nicht gestellt hat, leiten Sie diesen Beitrag weiter.

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