Job-Killer KI.


Neulich saß ich beim Kaffee mit ein paar Bekannten zusammen und irgendwann kamen wir auf KI. In der Runde war auch eine junge Anwältin, gerade fertig mit der Ausbildung.

Sie erzählte, dass sie sich seit Wochen überall bewirbt und einfach nichts findet. Dann sah sie mich an und fragte: „Wie sehen Sie das? Was würden Sie mir raten?"

Ich hätte sie gern beruhigt. Aber beruhigen wäre unehrlich gewesen.

Denn was sie da erlebt, ist nicht eingebildet: Die Einstiegsstellen, auf die sie sich bewirbt, werden tatsächlich weniger und manche gibt es schon gar nicht mehr.

Ich habe ihr also gesagt, was ich denke. Basierend auf meiner langjährigen Beschäftigung mit Künstlicher Intelligenz.

Vielleicht wird diese Frage nach dem Job-Killer KI ja auch irgendwann bei Ihnen aufkommen. Nicht beim Kaffee, sondern in einem Gespräch mit jemandem aus Ihrem Team.

Falls Sie sich fragen, was Sie dann sagen sollen, hier ist, wie ich darüber denke.

Die Angst ist real. Wegreden macht sie größer.

Ja, die Einstiegsjobs sind weniger geworden. Und der Rückgang ist auch messbar.

Eine Stanford-Studie mit Lohndaten von fast fünf Millionen Beschäftigten zeigt, dass seit Ende 2022 die Beschäftigung von 22- bis 25-Jährigen in KI-exponierten Berufen im Schnitt um 13 Prozent zurückgegangen ist, bei jungen Softwareentwicklern sogar um 20 Prozent.

Die Jobs von älteren Kolleg:innen in denselben Berufen blieben stabil oder wuchsen.

Und diese Entwicklung passiert auf zwei Wegen, die man unterscheiden muss.

In Konzernen gibt es inzwischen offene Entlassungswellen, wie z.B. SAP, Bosch, Thyssenkrupp. Dabei wirken allerdings oft mehrere Ursachen gleichzeitig: Konjunktur, Transformation und auch KI.

Im Mittelstand läuft es stiller. Stellen werden frei und einfach nicht mehr nachbesetzt. Keine Kündigung, keine Schlagzeile. Das Eintrittsfenster für Berufseinsteiger wird einfach kleiner.

Junior-Aufgaben fallen weg. Wichtigere bleiben.

Ja, KI übernimmt zunehmend genau solche Aufgaben, die früher Berufseinsteiger:innen gemacht haben: Recherche, erste Entwürfe, Dokumente sichten, Zusammenfassungen.

Diese Tätigkeiten fallen weg, denn die KI kann sie zumeist viel schneller, besser und auch kostengünstiger machen. Letzteres ist für Unternehmen sehr relevant, erst recht in diesen schwierigen Zeiten.

Aber die Stanford-Studie zeigt noch etwas anderes: In Berufen, in denen KI die menschliche Arbeit ergänzt statt ersetzt, ist die Beschäftigung junger Leute sogar gestiegen.

Was den Unterschied macht? Ob jemand KI bedienen, prüfen und verantworten kann oder ob jemand das tut, was KI genauso gut oder besser macht.

Was es in Bezug auf KI braucht?

  • Jemand muss prüfen, was KI ausgibt.
  • Jemand muss merken, wann das Ergebnis falsch ist.
  • Jemand muss einordnen, verantworten, in unklaren Fällen entscheiden.

Denn KI ist dann doch nur ein Werkzeug, wenn auch ein sehr mächtiges. Je besser wir es beherrschen, desto besser sind die Ergebnisse.

Was neu und ungewohnt ist, sind die Fähigkeiten, die es braucht, um dieses Tool gut und sicher zu beherrschen.

Die neuen Jobs gehören denen, die KI führen können.

Die neuen, mit KI gedachten Jobs werden andere sein als die bisherigen und sie kristallisieren sich gerade erst heraus. Eine fertige Stellenbeschreibung gibt es dafür meist noch nicht.

Aber eines ist schon jetzt absehbar: Arbeitgeber werden zukünftig verlangen, dass jemand KI wirklich versteht, ihre Grenzen kennt, gut mit ihr arbeiten kann und merkt, wann sie danebenliegt.

Das sind neue Fähigkeiten und niemand bringt sie schon mit. Man baut sie auf, schnell oder langsam, und genau da entscheidet sich etwas:

Wer früh anfängt, gehört zu denen, die diese Rollen zuerst besetzen. Wer wartet, bis die Stellenbeschreibung fertig ist, kommt vielleicht zu spät.

Das war im Kern auch mein Rat an die Anwältin. Nicht „Haben Sie keine Angst.", sondern: „Werden Sie schnell die, die KI beherrscht."

Falls die Frage auch bei Ihnen landet

Was heißt das nun für Sie, wenn die Frage vielleicht demnächst einmal in Ihrem Team kommt? Hier sind vier Dinge, die Sie auf Ihrer eigenen Ebene ganz konkret tun können:

1. Nehmen Sie die Frage ernst und antworten Sie ehrlich.

Beruhigen Sie nicht. Sagen Sie stattdessen, was stimmt: Ja, manche Aufgaben werden durch KI übernommen werden und genau deshalb lohnt es sich, schon jetzt gemeinsam genauer hinzuschauen.

2. Gehen Sie durch, was sich ändern könnte.

Setzen Sie sich mit der Person zusammen und schauen Sie ihre Rolle an: Welche Aufgaben könnten künftig zur KI wandern, welche bleiben menschlich, etwa Urteil, Verantwortung und der Kontakt zu Kunden?

Auch wenn diese Situation zumeist noch nicht eingetreten ist, hilft eine solche Analyse häufig dabei, das diffuse Angstgefühl in ein konkreteres Zukunftsbild zu verwandeln.

3. Unterstützen Sie und motivieren Sie, sich jetzt mit KI zu beschäftigen.

Geben Sie der Person Rückenwind, wo Sie können: Zeit, einen Anlass, die ausdrückliche Erlaubnis, KI ausgiebig auszuprobieren.

Und sagen Sie klar, warum sich das lohnt: Wer früh Kompetenz aufbaut, gehört später zu den Schnellen. Und zu denen, die für die neuen Jobs die besten Voraussetzungen haben.

4. Bauen Sie Ihre eigene KI-Kompetenz auf.

Das ist wahrscheinlich der unbequemste Schritt und zugleich der wichtigste.

Sie wissen das natürlich genauso gut wie ich: Wir als Führungskräfte können nur einordnen, glaubwürdig motivieren und ernst genommen werden, wenn wir selbst das vorleben, was wir predigen. Und das heißt hier: KI selbst zu nutzen und nicht nur über sie zu reden.

Fangen Sie ganz einfach mit einer aktuellen Aufgabe aus Ihrem eigenen Alltag an und analysieren Sie sie genau so wie die Aufgabe der Mitarbeitenden: Welchen Einfluss hat hier KI? Was muss ich ändern, damit ich auch als Führungskraft gelassen in das KI-Zeitalter schauen kann?

Zurück nochmal zu meinem Gespräch mit der Anwältin.

Die Anwältin hat nach meiner Antwort nicht gerade entspannt ausgeschaut. Wie auch. Ich hatte ihr ja gerade keine Entwarnung gegeben, sondern gesagt, dass die alte Sicherheit nicht zurückkommen wird.

Und dass wir vermutlich so ziemlich alles über den Haufen werfen müssen, was wir aktuell in Bezug auf unserer Arbeitsleben kennen.

Die Zukunft der Arbeit wird im KI-Zeitalter ganz sicher sehr anders werden. Anders muss aber ja nicht unbedingt schlechter sein. Ich persönlich bin sehr optimistisch, dass es nicht nur gut werden kann, sondern auch gut werden wird.

P.S. Wenn Sie jemanden kennen, der diese Frage vielleicht auch gerade von einem Teammitglied gestellt bekommen hat und im Moment nicht weiß, was er antworten soll: Leiten Sie das weiter.

P.P.S Alle bisherigen KI-Briefings finden Sie hier: https://ki-briefing.kit.com


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