E-Book: Welche KI-Kompetenz die Führungsebene unbedingt braucht


Liebe KI-Interessierte,

ich hatte vor Kurzem ein Gespräch mit einem Geschäftsführer, das aktuell recht typisch ist.

Er sagte: „Wir sind beim Thema KI eigentlich schon ganz gut unterwegs.“

Ich fragte: „Was heißt das konkret?“

Die Antwort kam sofort: „Die Teams nutzen ChatGPT, im Marketing testen wir ein spezielles Tool und die IT schaut sich gerade Copilot an.“

Kurze Pause.

Dann habe ich eine zweite Frage gestellt: „Und wer entscheidet bei Ihnen, was davon im Ergebnis bleiben soll – und was nicht?“

Diesmal war es still.

Was in vielen Organisationen gerade passiert

Die geschilderte Situation ist allerdings kein Einzelfall, sondern begegnet mir in vielen Gesprächen. In den meisten Organisationen passiert aktuell Folgendes – vielleicht ja auch bei Ihnen:

  • Mitarbeitende nutzen KI-Tools im Alltag
  • einzelne Bereiche starten erste Pilotprojekte
  • neue Tools werden getestet oder eingeführt

Das wirkt wie Fortschritt. Und in Teilen ist es das natürlich auch.

Nur:

Es ist kein gesteuerter Fortschritt.

Denn fast immer fehlen die gleichen Dinge:

  • eine klare Einordnung, wofür KI eingesetzt werden soll
  • eine Entscheidung, wo bewusst nicht
  • eine Regelung, wer darüber jeweils entscheidet
  • ein gemeinsames Verständnis, wie mit Ergebnissen und mit möglichen Fehlern umzugehen ist

Und genau dadurch entsteht ein kritischer Zustand: KI wird genutzt – aber nicht geführt.

Die Stelle, an der es kippt

Solange es um einzelne Tools geht, ist das nicht so gravierend und fällt zumeist auch kaum auf. Aber spätestens dann, wenn Künstliche Intelligenz in zentrale Entscheidungen innerhalb der Organisation eingreift, wird es kritisch.

Ein Beispiel: Die HR-Abteilung bereitet eine wichtige Entscheidung vor – unterstützt durch ein neu eingeführtes KI-Tool. Die vorgestellten Optionen sind strukturiert, die Argumente sauber formuliert, die Risiken aufgezeigt. Das Ergebnis wirkt durchdacht und die Entscheidung wird darauf aufbauend getroffen.

Was dabei oft nicht sichtbar ist:

  • Auf welcher Grundlage hat die KI gearbeitet?
  • Welche Annahmen stecken in den Ergebnissen?
  • Wurden Alternativen wirklich kritisch geprüft – oder nur plausibel dargestellt?

Und vor allem: Wer verantwortet das eigentlich? Und wer haftet bei Fehlern?

Warum das zur Führungsaufgabe wird

Genau an diesem Punkt verschiebt sich aktuell durch Künstliche Intelligenz etwas sehr Grundlegendes.

Während früher die Herausforderung von uns Führungskräften stärker darauf lag, überhaupt eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bekommen, ist das heute kein Engpass mehr.

Vielmehr liegen die Herausforderungen von Organisationen, die „mit KI arbeiten“, ganz woanders:

1. Nutzung ohne Überblick: Niemand weiß genau, wo KI überall eingesetzt wird.

2. Entscheidungen ohne klare Zuständigkeit: Es ist unklar, wer Tools freigibt oder stoppt.

3. Ergebnisse ohne systematische Prüfung: KI wird genutzt, aber nicht strukturiert hinterfragt.

Das Problem dabei ist allerdings nicht die Nutzung selbst, sondern das, was daraus entsteht: zum einen Intransparenz - und zum anderen auch und vor allem für die Leitungsebene ein erhebliches Haftungsrisiko (u.a. nach dem EU AI Act).

Was Sie jetzt konkret klären sollten

Wenn Sie das Thema auf oberster Ebene sauber angehen wollen, lassen sich die notwendigen Schritte auf vier Steuerungsfelder verdichten:

1. Strategische Verortung

Schaffen Sie Klarheit darüber, wo KI in Ihrer Organisation bereits genutzt wird – auch informell – und legen Sie fest, wofür sie künftig gezielt eingesetzt werden soll.

2. Governance

Definieren Sie verbindlich, wer über Auswahl, Einführung und Nutzung von Künstlicher Intelligenz entscheidet.

Legen Sie klare Zuständigkeiten, Prüfprozesse und Freigaben fest – damit Entscheidungen nicht implizit entstehen und Sie jederzeit nachvollziehen können, wann und in welcher Form Künstliche Intelligenz genutzt wird.

3. Qualitätssicherung

Sorgen Sie dafür, dass Ergebnisse aus KI-Anwendungen überprüfbar und belastbar sind.

Dazu reichen zumeist einfache, aber klare Mechanismen zur Prüfung von Daten, Ergebnissen und möglichen Verzerrungen. Wichtig ist, dass es sie gibt, nicht, wie perfekt sie sind.

4. Befähigung

Stellen Sie sicher, dass Führungskräfte und Mitarbeitende über das notwendige Grundverständnis verfügen, um Künstliche Intelligenz produktiv und verantwortungsvoll einzusetzen.

Nicht technisch im Detail – aber ausreichend, um Tragweite und Risiken einschätzen zu können. Und natürlich braucht die Geschäftsführung andere KI-Kompetenzen als ein Marketing-Experte oder eine Führungskraft in der Personalabteilung.

Was ich in vielen Organisationen beobachte: Diese vier Punkte sind nicht grundsätzlich unbekannt, aber sie sind oft nicht entschieden. Und das wiederum macht es schwierig, Künstliche Intelligenz nachhaltig und mit großem Mehrwert zu nutzen.

Ein Leitfaden für die Einordnung auf Geschäftsführungsebene

Wenn Sie das Thema strukturiert und im Zusammenhang sauber aufsetzen möchten, hilft Ihnen vielleicht der Leitfaden, den ich erstellt habe. Darin geht es genau um diese Fragen:

  • Welche Verantwortung Sie konkret tragen
  • welche Pflichten sich daraus ergeben
  • welche Steuerungsfelder Sie im Blick haben sollten
  • und wie Sie das Thema Schritt für Schritt aufsetzen

Der Fokus des Dokuments liegt dabei bewusst nicht auf Tools, sondern auf der Frage, wie Sie Künstliche Intelligenz in Ihrer Organisation strategisch und verantwortlich führen können.


Leitfaden "KI-Kompetenz in Vorstand und Geschäftsführung - Die neue Pflicht"

Ein Leitfaden zum strategischen Aufsetzen und Einführen von Künstlicher Intelligenz in der eigenen Organisation


So, das war’s auch schon wieder für heute.

Schöne Grüße und ein weiterhin neugierig-gelassenes Führen mit KI

Ihre

Beate Freuding

P.S. Wenn Sie nochmal in die bisherigen KI Briefings reinschauen möchten, dann folgen Sie diesem Link: https://ki-briefing.kit.com/

P.P.S. Wenn Sie jemanden kennen, den das Thema hier auch interessieren könnte, dann leiten Sie den Newsletter gern weiter.


Sie möchten gern mit mir sprechen?

Sehr gern. Sie erreichen mich unter freuding@digital-leader.eu oder telefonisch unter 0152 05188026. Oder vereinbaren Sie direkt einen Gesprächstermin: https://www.digital-leader.eu/orientierungsgespraech


Und wenn Sie mehr als nur mitlesen wollen – so kann's weitergehen:

The AI Leader

Ein persönlicher Denk- und Entscheidungsraum, um Künstliche Intelligenz einzuordnen, Verantwortung zu klären und sicher zu entscheiden. Keine Schulung, keine Tools, keine Umsetzung, sondern Orientierung auf Entscheiderebene.

The AI Organization

Ein klarer Entscheidungsrahmen für den strategischen Umgang mit KI. Für Organisationen, in denen KI bereits Thema ist, aber ohne klare Linie.


Wenn Sie einen Themenwunsch für das KI-Briefing haben – schreiben Sie mir gern: ki-briefing@digital-leader.eu

Hinweis: Dieser Beitrag ist in enger Zusammenarbeit mit KI geschrieben worden und persönlich von Dr. Beate Freuding, Geschäftsführerin von The Digital Leader, kuratiert. Der Beitrag dient der allgemeinen Information und Orientierung. Er stellt keine Rechtsberatung dar und kann eine individuelle juristische Prüfung im Einzelfall nicht ersetzen. Für Entscheidungen, die auf Basis dieses Beitrags getroffen werden, übernimmt die Autorin keine Haftung.

The Digital Leader, Soltauer Str. 13, Lüneburg, Niedersachsen 21335
Unsubscribe · Preferences

KI Briefing

Jeden Mittwoch direkt in Ihrem Postfach. Für Führungskräfte, die Künstliche Intelligenz verstehen, einordnen und nutzen wollen. Jetzt abonnieren und nichts verpassen.

Read more from KI Briefing

Liebe KI-Interessierte, neulich nach einem Vortrag vor Unternehmern kam in der Q&A eine Frage, die mich noch eine Weile beschäftigt hat. Ein Unternehmer mittleren Alters hob die Hand und fragte etwas nachdenklich: „Werden wir nicht alle dümmer, wenn wir ständig KI benutzen?" Der Raum wurde kurz still. Nicht weil die Frage provokant war. Sondern weil sie viele offenbar selbst schon gedacht, aber nicht ausgesprochen hatten. Ich konnte keine einfache, kurze Antwort geben. Denn eine solche wäre...

Liebe KI-Interessierte, ich erlebe gerade in vielen Gesprächen einen ähnlichen Moment: Ich frage: „Haben Sie eigentlich schon eine KI-Strategie?“ Die Antwort ist oft: „Noch nicht. Dafür ist es bei uns noch zu früh.“ Und das ist nachvollziehbar. Denn was aktuell passiert, fühlt sich nicht nach „Strategie“ an: Ein Team nutzt ChatGPT für Texte. Ein Bereich testet ein Tool. Die IT schaut sich etwas an. Das wirkt eher wie Ausprobieren als wie eine Entscheidung. Nur: Genau daraus entsteht bereits...

Liebe KI-Interessierte, eine Beobachtung vorweg, die für das Verständnis entscheidend ist: Künstliche Intelligenz arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten. Das System berechnet, welches Wort – und welcher Gedankengang – mit hoher Wahrscheinlichkeit gut passt. Das Ergebnis sind Antworten, die plausibel wirken. Nicht automatisch solche, die richtig sind. Das ist kein Fehler, sondern Systemlogik. Und dazu gehört auch ein zweiter Punkt, der oft missverstanden wird: Was wir als „Halluzinationen“...