Liebe KI-Interessierte,
es gibt einen Moment, den ich in Gesprächen mit Geschäftsführer:innen häufig geschildert bekomme und den Sie bestimmt auch kennen:
Eine wichtige Entscheidung steht im Raum. Nichts Dramatisches auf den ersten Blick, aber genau die Art von Thema, die Wirkung entfaltet: eine neue Rolle, eine strukturelle Anpassung, ein Angebot, das nicht mehr richtig trägt.
Die Gedanken dazu sind da. Die Erfahrung auch. Nur eines fehlt oft: eine wirklich saubere Vorbereitung.
Also passiert das, was im Führungsalltag regelmäßig passiert: Man entscheidet. Mit einem guten Gefühl. Und mit Argumenten, die im Nachhinein plausibel wirken.
Das war lange nachvollziehbar. Heute ist es das nicht mehr.
Wenn Vorbereitung plötzlich kein Engpass mehr ist
Mit Systemen wie ChatGPT verschiebt sich gerade etwas sehr Grundlegendes und erstaunlich viele unterschätzen das.
Nicht, weil die Technologie nicht verstanden wird, sondern weil ihre Wirkung falsch eingeordnet wird.
Die meisten sehen bei Künstlicher Intelligenz vor allem das Offensichtliche: Texte werden schneller geschrieben, Inhalte leichter erstellt, Informationen einfacher zusammengefasst.
Das ist korrekt. Aber es ist nicht der eigentliche Punkt. Der eigentliche Punkt ist ein anderer:
Die gedankliche Vorarbeit ist jederzeit verfügbar.
Was früher Zeit, Struktur und oft mehrere Schleifen brauchte, lässt sich heute in Minuten erzeugen:
- unterschiedliche Entscheidungsoptionen
- saubere Pro- und Contra-Strukturen
- mögliche Risiken und Nebenwirkungen
- erste, konsistente Argumentationslinien
Nicht perfekt, aber ausreichend klar, um darauf aufzubauen. Und genau hier beginnt die Verschiebung.
Was sich in der Rolle von Führung verändert
Solange Vorbereitung aufwendig war, gab es einen natürlichen Engpass. Man konnte sagen: „Ich habe auf Basis dessen entschieden, was mir vorlag.“
Dieser Satz verliert gerade seine Grundlage. Denn die Frage ist nicht mehr, ob eine strukturierte Vorbereitung möglich ist. Die Frage ist, ob sie genutzt wird.
Das klingt banal, ist es aber nicht. Denn damit verschiebt sich Verantwortung.
Früher lag sie stärker auf der Informationslage. Heute liegt sie stärker auf der Auswahl und Bewertung.
Die eigentliche Führungsleistung beginnt aber dort, wo die KI aufhört.
Drei Situationen, in denen das besonders sichtbar wird
Diese Verschiebung zeigt sich nicht in großen Strategiepapieren, sondern im Alltag. Also dort, wo Entscheidungen schnell getroffen werden müssen.
Zum Beispiel:
Wenn Sie eine Entscheidung vorbereiten
- Früher: eine Idee, ergänzt um Erfahrung
- Heute: mehrere klar strukturierte Alternativen – wenn Sie sie aktiv einfordern
Wenn Sie Argumente abwägen
- Früher: implizite Abwägung im Kopf
- Heute: explizit ausgearbeitete Pro- und Contra-Linien
Wenn Sie eine Entscheidung kommunizieren
- Früher: situativ formuliert
- Heute: vorab durchdacht, konsistent und anschlussfähig
In allen drei Fällen passiert dasselbe: Die Qualität der Vorbereitung ist kein Zufall mehr; sie ist steuerbar.
Die unbequeme Konsequenz
Und genau daraus ergibt sich ein Satz, den viele nicht gern hören und doch zutrifft:
Künstliche Intelligenz nimmt Ihnen nicht die Arbeit ab. Sie nimmt Ihnen die Ausrede, unvorbereitet zu entscheiden.
Denn Vorbereitung ist heute kein knappes Gut mehr. Sie ist eine bewusste Entscheidung.
Ein Leitfaden für die praktische Anwendung
Wenn Sie diese Verschiebung für sich konkret nutzbar machen wollen, lohnt sich ein strukturierter Blick auf typische Führungssituationen.
In meinem Leitfaden „ChatGPT für Führungskräfte“ habe ich das für fünf zentrale Handlungsfelder systematisiert:
- Personalführung & Entwicklung
- Strategische Steuerung
- Kommunikation & Positionierung
- Stakeholder Management
- Selbstorganisation & Reflexion
Entscheidend ist dabei nicht die Theorie, sondern die Anwendung im Alltag: In jedem dieser Bereiche geht es um ganz konkrete Situationen – Gespräche vorbereiten, Entscheidungen strukturieren, Positionen schärfen oder komplexe Themen ordnen. Genau dort entfaltet KI nämlich ihren größten Nutzen.
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Leitfaden "ChatGPT für Führungskräfte"
Ein praxisnaher Überblick für alle, die KI gezielt im Führungsalltag einsetzen wollen
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Ein Gedanke zum Schluss
Wenn Sie auf Ihre letzten wichtigen Entscheidungen schauen, lohnt sich vielleicht eine einfache Frage: Waren diese Entscheidungen wirklich vorbereitet - oder nur gut begründet?
Mit dieser Frage will ich meine Mail heute ausklingen lassen.
Schöne Grüße und ein weiterhin neugierig-gelassenes Führen mit KI
Ihre
Beate Freuding
P.S. Wenn Sie nochmal in die bisherigen KI Briefings reinschauen möchten, dann folgen Sie diesem Link: https://ki-briefing.kit.com/
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The AI Leader
Ein persönlicher Denk- und Entscheidungsraum, um Künstliche Intelligenz einzuordnen, Verantwortung zu klären und sicher zu entscheiden. Keine Schulung, keine Tools, keine Umsetzung, sondern Orientierung auf Entscheiderebene.
The AI Organization
Ein klarer Entscheidungsrahmen für den strategischen Umgang mit KI. Für Organisationen, in denen KI bereits Thema ist, aber ohne klare Linie.
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Hinweis: Dieser Beitrag ist in enger Zusammenarbeit mit KI geschrieben worden und persönlich von Dr. Beate Freuding, Geschäftsführerin von The Digital Leader, kuratiert. Der Beitrag dient der allgemeinen Information und Orientierung. Er stellt keine Rechtsberatung dar und kann eine individuelle juristische Prüfung im Einzelfall nicht ersetzen. Für Entscheidungen, die auf Basis dieses Beitrags getroffen werden, übernimmt die Autorin keine Haftung.