Liebe KI-Interessierte,
häufig taucht in meinen Gesprächen mit Kunden diese Aussage auf: „Wir haben bereits ChatGPT eingeführt.“
Wenn ich das höre, frage ich nach: „Meinen Sie das Tool – oder das Modell dahinter?“
Fast immer herrscht kurz Stille.
Denn die wenigsten haben diese Unterscheidung im Kopf. Dabei ist sie zentral. Wer nur das sichtbare Tool betrachtet, übersieht das eigentliche Herzstück: das Modell, das im Hintergrund läuft – und das über Leistung, Grenzen und Risiken bestimmt.
Der Unterschied
Ein Modell ist die technische Grundlage: ein Sprachmodell wie GPT-4, Claude 3, Gemini oder LLaMA.
Ein Tool ist die Anwendung, die wir im Alltag sehen: ChatGPT, Microsoft Copilot, Notion AI oder ein Fachtool mit KI-Funktion.
So weit, so klar. Aber was macht diesen Unterschied wirklich bedeutsam?
- Modelle sind universell. Sie können in völlig unterschiedlichen Tools stecken – und dort sehr verschieden wirken.
- Tools sind situativ. Sie legen fest, welche Funktionen verfügbar sind, welche Daten eingebunden werden, welche Nutzungsbedingungen gelten.
Dasselbe Modell kann so einmal wie ein offener Denkpartner wirken (ChatGPT), ein anderes Mal wie ein Office-Assistent im Hintergrund (Copilot) – mit denselben technischen Fähigkeiten, aber völlig anderem Handlungsspielraum.
Ein Beispiel aus der Praxis
Nehmen wir GPT-4:
- In ChatGPT können Sie Dateien hochladen, Plugins aktivieren, Bilder analysieren.
- In Microsoft Copilot steckt dasselbe Modell – aber es arbeitet eingebettet in Word, Excel oder Outlook, mit direktem Zugriff auf Ihre Organisationsdaten.
- In Notion AI ist GPT-4 ebenfalls integriert – dort aber mit Fokus auf Schreib- und Strukturierfunktionen in Notizen und Projekten.
Technisch dasselbe Modell – praktisch drei ganz verschiedene Tools.
Modell = Motor, Tool = Fahrzeug – aber mit Tücken
Das gängige Bild vom Modell als „Motor“ und dem Tool als „Fahrzeug“ ist hilfreich, aber zu schlicht. Denn in der Praxis wird der Motor nicht nur unterschiedlich eingebaut – er wird auch anders getunt, reguliert und mit Zusatzfunktionen versehen.
- Manche Tools begrenzen bewusst, wie kreativ ein Modell antwortet.
- Andere Tools erweitern es mit Datenbanken, Live-Webzugriff oder Fachwissen.
- Wieder andere Tools filtern stärker oder schwächer, was gesagt werden darf.
Das heißt: Wer nur das Modell kennt, weiß noch nicht, was im Alltag passiert. Und wer nur das Tool kennt, übersieht die technischen Grenzen. Beides zusammen macht das Ganze transparent.
Wo Missverständnisse entstehen
Die Verwechslung von Modell und Tool führt oft zu falschen Annahmen:
- „Wir haben GPT-4 eingeführt.“ – Nein, Sie nutzen ein Tool, das GPT-4 einbettet.
- „Copilot ist sicherer als ChatGPT.“ – Vielleicht, aber nicht, weil das Modell anders wäre. Sondern weil Microsoft eine Governance-Schicht darum gelegt hat.
- „Wir könnten doch ein eigenes Modell trainieren.“ – Häufig meinen Organisationen damit: ein eigenes Tool bauen, das auf bestehende Modelle aufsetzt.
Gerade in Strategiediskussionen verschwimmen die Begriffe. Und damit auch die Entscheidungen: Reden wir über die technische Basis – oder über das, was wir als Anwender tatsächlich in der Hand haben?
Warum das für Führungskräfte zählt
Die Unterscheidung ist nicht Haarspalterei, sondern hat ganz praktische Folgen:
- Leistung: Ob ein Tool schnell, präzise oder kreativ ist, hängt in erster Linie vom Modell ab.
- Governance: Datenschutz, Datenspeicherung, Transparenzpflichten hängen am Tool. Dasselbe Modell kann auf einem US-Server oder in einer europäischen Cloud laufen – mit völlig unterschiedlichen rechtlichen Folgen.
- Strategie: Nur wenn Sie Modelle und Tools auseinanderhalten, können Sie bewusst entscheiden, ob Sie Abhängigkeiten eingehen oder Alternativen suchen.
Beispiel: Aleph Alpha (Modell) vs. Aleph Alpha API (Tool). Erst wenn Sie die Unterschiede verstehen, können Sie entscheiden, ob es für Ihre Organisation passt.
Ein abschließender Gedanke
Wer Modelle und Tools verwechselt, verliert die Übersicht – und damit auch die Kontrolle.
Modelle liefern die Intelligenz, Tools den Zugang.
Nur wenn Sie beides sauber unterscheiden, können Sie entscheiden: Welcher Motor treibt Ihre Organisation an – und in welchem Fahrzeug wollen Sie ihn wirklich nutzen?
Ich hoffe, ich konnte den Unterschied etwas klarer machen. Und das war's für heute auch schon wieder.
Schöne Grüße - und ein weiterhin neugierig-gelassenes Führen mit KI
Ihre
Beate Freuding
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Hinweis: Dieser Beitrag ist in enger Zusammenarbeit mit KI geschrieben worden und persönlich von Dr. Beate Freuding, Geschäftsführerin von The Digital Leader, kuratiert. Der Beitrag dient der allgemeinen Information und Orientierung. Er stellt keine Rechtsberatung dar und kann eine individuelle juristische Prüfung im Einzelfall nicht ersetzen. Für Entscheidungen, die auf Basis dieses Beitrags getroffen werden, übernimmt die Autorin keine Haftung.